Österliche Begegnungen

24.03.2018 – Die Botschaft der Auferstehung erreicht mehr Menschen als bisweilen angenommen und ins Wort gebracht wird.

„Kommen Sie bei den vielen Aufgaben, die Sie haben, noch zur Seelsorge?“ – Diese Frage wird mir des Öfteren gestellt. Dabei überlege ich, was unter dem Begriff Seelsorge verstanden wird und wer sie denn praktiziert oder nicht praktiziert?

Glaube vermittelt sich über Beziehungen. Das wird unter anderem deutlich, wenn in den Gottesdiensten der Osterzeit die Auferstehungserzählungen Jesu im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Die frohe Botschaft, dass Jesus nach seinem Tod weiterlebt, erreichte die Apostel und die vielen Menschen, denen Jesus nahestand, durch persönliche Begegnungen. Es ist Jesus, der mit seinen Freunden, gelegentlich im wahrsten Sinn des Wortes, in Berührung kommt. Zum Beispiel wenn er das „Berühre mich nicht“ beim Aufeinandertreffen mit Maria Magdalena am Ostermorgen oder das „Sieh her, meine Seite und Hände“ am Osterabend gegenüber dem Ungläubigen Thomas spricht. Unzählige Gespräche in der Jüngergemeinde führen zu der Erkenntnis, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist. Man denke hier nur an das „Hat es uns nicht tief berührt, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erklärte?“ der Jünger von Emmaus.

Seelsorge lässt Menschen erleben, wie Gott in ihrem Leben wirkt und dass es einen Sinn hat. Das gilt nicht zuletzt im Leid und im Tod. Ich hoffe sehr, dass das auch heute noch viele Menschen erfahren. Sei es zum Beispiel in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen, in den Beratungsstellen und Unterstützungsdiensten der Caritas. Sei es in den Gruppen und Gremien der Kirchengemeinden, in denen Gemeindemitglieder unermüdlich dabei sind, Gottes Nähe zu den Menschen sichtbar werden zu lassen. Ebenso denke ich dankbar an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Sakramentenkatechese oder den liturgischen Diensten. Nicht zuletzt ist jeder Getaufte, der im Geiste Jesu seinen Mitmenschen zugewandt ist, seelsorglich tätig.

Somit erreicht die Botschaft der Auferstehung mehr Erdenbewohner, als bisweilen angenommen und ins Wort gebracht wird. Ich wünsche allen immer wieder den Schwung und den Mut, den der Jüngerkreis Jesu in den Anfängen der Kirche hatte, als er geführt vom Heiligen Geist das Leben Gottes durch Wort und Tat bezeugte.

Ein frohes und gesegnetes Osterfest in der Freude des auferstandenen Herrn Jesus Christus!

Dechant Johannes Hammer