Mut zum Frieden

15.12.2019 – Heute ist der dritte Advent. Es ist der Tag, an dem das Friedenslicht aus Betlehem bei uns in Deutschland ankommt. Gestern haben es die Pfadfinder in Wien in Empfang genommen und sich auf den Weg gemacht, dieses Jahr unter dem Motto „Mut zum Frieden“.

Mut. Mut braucht man nur, wenn man Angst hat.
Ich hatte Angst.
„Hier! Du hast den Saft alle gemacht. Du holst eine neue Flasche aus dem Keller!“
Bis zur Kellertür kein Problem. Hand auf die Klinke, tief einatmen, Luft anhalten, Klinke runterdrücken, Tür auf…Dahinter eine schwarze Finsternis. Darin irgendwas. Wer weiß, was? Es könnte alles sein!
Das Herz schlägt schneller, die eine Hand hält die leere Flasche, die andere tastet, links hinter dem Türrahmen, irgendwo muss er doch sein…ah, da ist er. Klick!
Licht! Ausatmen! Geschafft! Alles ist hell, die Dunkelheit ist fort.
Angst vor dem Keller? Warum? Dunkelheit ist ungewiss, nicht sicher fassbar, was darin ist. Unsicherheit, es nicht sehen, erkennen, es nicht in der Hand haben lässt Furcht empfinden.
Eigentlich besser nicht die Tür aufmachen. Aber ich brauche den Saft. Also: allen Mut zusammennehmen. Mut zum Saftholen!
Aber Mut zum Frieden?
Da tun sich andere Türen auf, hinter denen etwas auch nicht immer so genau Fassbares lauert. Keller steht nicht auf diesen Türen. Populismus, Nationalismus, Cyber-Mobbing, Datenmissbrauch, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus…steht da drauf. Etwas Dunkles ist hinter diesen Türen.
Wenn man sie zu lässt, das heißt, nicht hinschaut, nicht drüber nachdenkt, drüber hinweggeht, dann muss man sich der Dunkelheit dahinter nicht stellen. Wer weiß, was darin lauert.
Aber es gibt Dunkelheiten, die sickern unter der Tür durch.
Besser, allen Mut zusammennehmen und die Tür öffnen, sich der Dunkelheit stellen.
Am 3. Advent stehen wir vor den Türen zu den Dunkelheiten nicht mit einer leeren Flasche in der Hand da, sondern mit dem Friedenslicht aus Betlehem.
In die Dunkelheit dürfen wir das Licht des Evangeliums Jesu bringen, und zwar indem wir leben, was unser Glaube an Christus uns sagt: Frieden, Versöhnung, Vergebung, Würde und Liebe hinein in und gegen alle Dunkelheiten, zu denen sich momentan Türen auftun.
Und bitte nicht die Luft anhalten, sondern sich Luft machen.
Manchmal, wenn ich in den Keller musste, habe ich einfach ganz laut das Dunkel weggesungen. Wer singt kennt keine Angst.
Den Atem nutzen und Stimme werden lassen! Es braucht keine Zeitspanne angehaltener Luft um nach dem Licht zu suchen, denn SEIN Licht ist uns schon längst in die Hand gegeben.
Mut zum Frieden
und einen gesegneten 3. Advent
wünscht
Vikar Tobias Hasselmeyer, DPSG Diözesankurat

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